EU darf Libyen-Flucht nicht verhindern

  09 Auqust 2017    Gelesen: 418
EU darf Libyen-Flucht nicht verhindern

Die Europäische Union will den Flüchtingsstrom über das Mittelmeer eindämmen und Gerettete ins Ausgangsland Libyen zurückbringen. Dort erwarten die Migranten aber teils grausame Umstände - Folter, Gewalt sowie sexueller Missbrauch sind keine Seltenheit.

Die Hilfsorganisation Oxfam hat einen Bericht veröffentlicht, der die Umstände für Migranten in Libyen beschreibt. Dieser ist als Warnung an die EU gerichtet und besagt, dass ein noch größerer Schaden entstehe, wenn sie Menschen an der Flucht aus dem Krisenland gehindert werden.

"Der Versuch der Europäischen Union, sicherzustellen, dass Menschen Libyen nicht verlassen können, gefährdet mehr Männer, Frauen und Kinder, missbraucht oder ausgebeutet zu werden", heißt es in dem Bericht. Darin werden 158 Migranten befragt, die in Sizilien angekommen sind.

Die EU und allen voran Italien versuchen den Flüchtlingsstrom zu drosseln - dabei soll in erster Linie der Menschenhandel gestoppt werden. Dafür unterstützt die italienische Marine die libysche Küstenwache mit technischen und logistischen Hilfsmitteln. Es sollen weniger Menschen nach Europa kommen und Gerettete gleichzeitig auch zurück nach Libyen gebracht werden. Seit Anfang August hat die libysche Küstenwache schon mehr als 1100 Menschen aus den Hoheitsgewässern zurück nach Libyen gebracht.

EU soll faire Asylverfahren garantieren

Dort durchleben die Migranten jedoch unzumutbare Bedingungen. Menschenhändler, Schmuggler, Milizen und kriminelle Banden sehen in den Migranten "bares Geld" und Folter, Gewalt sowie sexueller Missbrauch stehen in den Lagern an der Tagesordnung. Oxfam zitiert dazu im Bericht einen 18-Jährigen aus dem Senegal, der schwer am Kopf verletzt worden sei, nachdem er gefangen genommen worden war. "Als ich aufwachte, dachte ich, ich sei tot. Überall war Blut. Ich war in einer Zelle mit anderen Menschen ... Die Zelle war voller Leichen."

Ein anderer 18-Jähriger aus Nigeria berichtete, in einem Haus mit 300 anderen gefangen gehalten worden zu sein, in dem mehrere Menschen starben. Eine 28-jährige Nigerianerin sagte: "Ich wurde an jedem Teil meines Körpers geschlagen und gezwungen, bei sexueller Gewalt gegen andere Frauen mitzumachen."

Die EU müsse laut Roberto Barbieri, Geschäftsführer von Oxfam Italien, sichere Korridore schaffen, über die diese Menschen nach Europa kommen können. Dadurch sollten sie ein faires und transparentes Asylverfahren erhalten. Oxfam ist an vielen Häfen in Sizilien präsent, in die die Geretteten gebracht werden. Die Befragungen zum Bericht wurden nach Angaben der Organisation zwischen Oktober 2016 und April 2017 geführt.

Quelle: n-tv.de , mba/dpa

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