Türkei empört über "Konzentrationslager"

  10 Februar 2019    Gelesen: 518
Türkei empört über "Konzentrationslager"

Die chinesische Provinz Xinjiang ist die Heimat der Uiguren. Das muslimisch geprägte Turkvolk steht unter strenger Beobachtung Pekings. Neue Berichte über Umerziehungslager für Muslime rufen die türkische Regierung auf den Plan.

Mit scharfen Worten hat die türkische Regierung von der Volksrepublik China die Schließung der Umerziehungslager für Uiguren in der westlichen Provinz Xinjiang verlangt. Die Zwangsinternierung der muslimischen Minderheit sei eine "Schande für die Menschheit", erklärte Außenministeriumssprecher Hami Aksoy. "Es ist kein Geheimnis mehr, dass mehr als eine Million Uiguren willkürlich festgenommen wurden, dass sie in Gefängnissen und Konzentrationslagern gefoltert und politischer Gehirnwäsche unterzogen werden."

Die Uiguren sind ein muslimisches Turkvolk, das in dem ehemaligen Ostturkestan beheimatet ist. Nach ihrer Machtübernahme 1949 in Peking verleibten die Kommunisten die Region der Volksrepublik ein. Formell gilt Xinjiang als autonome Region innerhalb der Volksrepublik. Faktisch ist die Region einer Provinz gleichgestellt. Kontrolliert und verwaltet wird das einst dünn besiedelte Xinjiang durch Vertreter Pekings.

Nach dem massenhaften, staatlich geförderten Zuzug durch ethnische Han-Chinesen kam es in dem Gebiet im äußersten Nordwesten Chinas zu Spannungen zwischen einheimischen Uiguren und den mittlerweile mehrheitlichen Han-Chinesen. Die Uiguren beklagen gewaltsame Unterdrückung, während ihnen die Chinesen Separatismus vorwerfen. China hat deshalb im Autonomiegebiet ein engmaschiges Überwachungssytem installiert, unter anderem mit Kameras und biometrischer Datenerfassung. Fromme Muslime müssen mit Schikanen im Alltag rechnen. 

Lange hatte Chinas Führung die Existenz von Umerziehungslagern für Muslime in Xinjiang bestritten, im Oktober wurden sie dann per Gesetz nachträglich legalisiert. Damit ist die Inhaftierung Verdächtiger ohne Gerichtsverfahren erlaubt sowie "ideologische Erziehung gegen Extremismus, psychologische Behandlung und Verhaltenskorrekturen". Offizielle Zahlen gibt es nicht, unbestätigten Berichten zufolge sollen aber Hunderttausende Angehörige des Turkvolkes in Internierungslagern festsitzen. Peking rechtfertigt sein Vorgehen mit extremistischen Strömungen in Xinjiang und macht die Uiguren für blutige Unruhen und Terroranschläge verantwortlich.

Wirtschaftliche Interessen dominieren


Die meisten muslimischen Länder haben sich bisher mit Kritik an Peking zurückgehalten. China ist für viele Staaten ein wichtiger Handelspartner. Der türkische Sprecher Hami Aksoy forderte die internationale Gemeinschaft und UN-Generalsekretär Antonio Guterres nun auf, "effektive Maßnahmen zu ergreifen, um die menschliche Tragödie in Xinjiang zu beenden".

Aksoy bezog sich in seiner Erklärung auch auf den Tod des uigurischen Dichters und Musikers Abdurehim Heyit, der im Gefängnis gestorben ist. Heyits "tragischer" Tod habe die Reaktion der türkischen Öffentlichkeit auf die "schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen" in Xinjiang "weiter verstärkt". Die Uiguren fühlen sich mit der Türkei kulturell und religiös verbunden. Aufgrund der kulturellen Nähe konnten sich ausgeprägte Handelsbeziehungen zwischen der Türkei und zentralasiatischen Staaten entwickeln.


Quelle: n-tv.de


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