Guardiolas Tormaschine gerät aus dem Takt

  08 Oktober 2019    Gelesen: 445
Guardiolas Tormaschine gerät aus dem Takt

Nach dem schlechtesten Saisonstart unter Pep Guardiola liegt Manchester City schon acht Punkte hinter Tabellenführer Liverpool. Es hakt beim Meister. Das hat auch mit einem Versäumnis auf dem Transfermarkt zu tun. Der Trainer verweist auf noch viele zu vergebende Punkte.

Pep Guardiola hatte keine Lust auf eine Grundsatzdebatte. Er wertete Manchester Citys Heimniederlage gegen die schwächelnden Wolverhampton Wanderers als einen Ausrutscher wie er eben vorkommen kann. "Natürlich, es war ein schlechter Tag. Das passiert manchmal", sagte der Trainer aus Katalonien. Doch ganz so einfach ist die Angelegenheit nicht. Das 0:2 durch die beiden späten Kontertore von Adama Traoré war für den Meister der vergangenen beiden Jahre ja schon die zweite Pleite der noch in der Frühphase befindlichen Saison nach dem 2:3 bei Aufsteiger Norwich. Außerdem gab die Mannschaft beim Unentschieden gegen Tottenham Punkte ab. In der Addition bedeutet das den schlechtesten Saisonstart in Guardiolas Amtszeit. Im Rennen um den Titel hat City nach acht Spieltagen schon einen saftigen Acht-Punkte-Rückstand auf Jürgen Klopps makellosen FC Liverpool.

Wenn es läuft für Guardiolas Mannschaft, dann spielt sie mit der Präzision eines Uhrwerks. Alle Rädchen greifen ineinander. Das ist im Moment nicht immer der Fall. "Von vorne bis hinten ist irgendwas nicht ganz richtig", urteilte "The Athletic" nach der Niederlage gegen die Wolves, die unter der Woche noch in der Europa League bei Besiktas in Istanbul gefordert waren. Das Grundproblem liegt in der Defensive: Durch die Verletzung der beiden Innenverteidiger Aymeric Laporte und John Stones muss Guardiola in der Abwehr improvisieren. Es rächt sich, dass der Meister im Sommer Vincent Kompany gehen ließ und keinen Ersatz beschaffte. Aus dem Rennen um Harry Maguire aus Leicester stieg City aus, weil er angeblich zu teuer war. Der Nationalspieler schloss sich für fast 90 Millionen Euro dem Stadtrivalen Manchester United an. Durch die Personalnot in der Abwehr verschiebt sich die Statik im Spiel von Guardiolas Auswahl.

Es fehlt an Verteidigern und Kreativität

Der einzige verbliebene Innenverteidiger Nicolás Otamendi ist anfällig für Fehler und hat Schwächen im Stellungsspiel. Der aushilfsweise in die Abwehr-Zentrale beorderte Fernandinho gehört zu Guardiolas Lieblingsspielern wegen seiner Flexibilität, allerdings ist ihm anzumerken, dass er kein geborener Innenverteidiger ist. Um die zusammengeflickte Abwehr abzuschirmen, setzt Guardiola im Mittelfeld auf eine defensivere Variante. Gegen die Wolverhampton Wanderers bildete Ilkay Gündogan mit Rodri eine ungewohnte Doppelsechs, zum Nachteil des Offensivspiels. Weil zudem Vorlagen-König Kevin De Bruyne verletzt aussetzen musste, fehlte die Kreativität. City brachte nur zwei Bälle aufs Tor. Das ist ein jämmerlicher Wert für die Mannschaft, die zwei Wochen zuvor noch den FC Watford 8:0 aus dem Stadion geschossen hatte.

Erschwerend kam bei der zweiten Niederlage der Saison hinzu, dass Guardiolas Team ungewohnt nachlässig mit dem Ball umging und sich mit Pässen zum Gegner immer wieder in Bedrängnis brachte. Schon vor den beiden Treffern durch Traoré waren die Gäste mehrmals frei aufs Tor gelaufen. Die Niederlage hätte noch höher ausfallen können. Einige Fehler im Aufbauspiel seien "unmöglich zu verteidigen" gewesen, gestand Guardiola. Seine Mannschaft sei "nervös" gewesen.

Im November trifft Pep auf Klopp


Knapp zwei Wochen hat der Trainer Zeit, den Meister neu zu justieren, dann geht es in der Liga weiter. Gegen die kommenden Gegner Crystal Palace, Aston Villa und den FC Southampton darf sich City keine Ausrutscher leisten, um den FC Liverpool vor dem direkten Duell am 10. November an der Anfield Road nicht schon aus dem Blickfeld zu verlieren. Guardiola bemüht sich, kämpferisch zu wirken im Kampf um den Titel. "Es sind noch viele Spiele zu spielen", sagt er, noch viel Zeit, den Rückstand aufzuholen. So wie in der vergangenen Saison, als sein Team trotz eines zwischenzeitlichen Sieben-Punkte-Defizits noch Meister wurde.

Es könnte allerdings auch umgekehrt laufen. Die BBC hat nach der Niederlage gegen die Wolves folgende (nicht ganz ernst gemeinte) Hochrechnung angestellt: Wenn die Saison so weitergeht, landet Manchester City am Ende 38 Punkte hinter Liverpool.


Quelle: n-tv.de


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