Wie die Welt dem Virus trotzt

  22 März 2020    Gelesen: 464
  Wie die Welt dem Virus trotzt

Immer mehr Länder schotten sich ab, verhängen Ausgangssperren. Aber das Coronavirus breitet sich weiter aus. Gegen den wirtschaftlichen Absturz werden Billionen locker gemacht. Die Menschen arrangieren sich, so gut es geht. Und manche führen ihr Schwein spazieren.

Weltweit wird mit mehr oder weniger drastischen Mitteln gegen die Ausbreitung des Coronavirus gekämpft. Dennoch haben sich inzwischen mehr als 300.000 Menschen infiziert. Fast 13.000 seien bislang an Covid-19 gestorben, berichten die Wissenschaftler der US-Universität Johns Hopkins. In den USA schnellte die Zahl der Infizierten binnen nur einer Woche um mehr als das Zehnfache auf mehr als 24.000 Fälle in die Höhe. Fast ein Viertel der US-Bevölkerung, 80 Millionen von 330 Millionen Einwohnern, sind inzwischen von mehr oder weniger harschen Ausgangssperren betroffen. Solche Einschränkungen gab es in Kalifornien, Illinois, New York, New Jersey und Connecticut.

In Europa war die Lage weiterhin in Italien und Spanien am dramatischten. Die Regierung in Rom ordnete angesichts von fast 800 Toten binnen 24 Stunden die Schließung aller nicht lebensnotwendigen Produktionsaktivitäten an. Ausgenommen sind unter anderem Supermärkte, Banken, Post und Apotheken, sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Samstagabend. Er sprach von der "größten Herausforderung nach dem Zweiten Weltkrieg". "Wir haben beschlossen, jede produktive Tätigkeit zu schließen, die nicht entscheidend und unerlässlich dafür ist, uns essenzielle Güter und Dienstleistungen zu garantieren."

Russland will auf Bitten der Regierung in Rom unter anderem Schutzausrüstungen, mobile Versorgungsstationen und Mittel für eine großflächige Desinfektion von Verkehrsmitteln und Gebieten schicken. Das teilte der Kreml mit. Russland selbst hat bisher nach offiziellen Angaben vergleichsweise wenige Coronavirus-Fälle - Samstagabend waren es landesweit rund 300.

Mit Stoffhund an die frische Luft

In Spanien rief Regierungschef Pedro Sánchez seine Landsleute nach einer Woche Ausgangssperre zum Durchhalten auf. Dort haben sich mittlerweile 25.000 Menschen angesteckt, 1300 sind an Covid-19 gestorben. Das Schlimmste stehe aber noch bevor, warnte Sánchez. "Wir befinden uns in einem sehr schwierigen Moment und haben sehr schwere Tage vor uns", sagte er bei einer Fernsehansprache. Er fügte aber auch hinzu: "Es ist nicht die Angst, die uns in unseren Häusern und Wohnungen hält. Es ist der Mut." Zugleich lobte er das disziplinierte und solidarische Verhalten seiner Landsleute. Zumindest der meisten.

Denn manche Spanier waren kreativer als die Polizei erlaubt. Auch während der Ausgangssperre dürfen Hunde ausgeführt werden. Nach Medienberichten wurden aber auch Menschen gesichtet, die mit Ziegen, Schweinen und sogar Kanarienvögeln unterwegs waren. Ein Mann zog sogar mit einem Stoffhund an der Leine durch die Straßen. Die Polizisten waren weniger amüsiert. "Versuchen Sie nicht, uns zu täuschen, sonst werden Sie bestraft", lautete die strenge Warnung.

Trump will beispielloses Konjunkturpaket

Gegen einen drohenden wirtschaftlichen Absturz wegen der Coronavirus-Krise werden in vielen Ländern teils gigantische Hilfsprogramme geschnürt. In den USA verhandelten Republikaner und Demokraten über ein massives Coronavirus-Konjunkturpaket. Parlament und Regierung wollen voraussichtlich mehr als eine Billion Dollar (900 Milliarden Euro) in die Wirtschaft pumpen. Das Volumen des Konjunkturpakets könnte Berichten zufolge sogar zwei Billionen Dollar erreichen. Auf Nachfrage sagte Trump dazu nur: "Es wird ein Paket sein, wie es noch niemand je zuvor gesehen hat." Zwei Billionen Dollar entsprächen etwa zehn Prozent der jährlichen US-Wirtschaftsleistung.

Nach der Absage fast aller größeren Veranstaltungen geraten auch die Olympischen Sommerspiele in Japan in den Sog der Viruskrise. Der US-Leichtathletikverband forderte wegen der Pandemie, die für den 24. Juli bis 9. August geplanten Sommerspiele zu verschieben. Ein Festhalten an den Wettkämpfen könne angesichts der globalen Ausnahmesituation nicht im besten Interesse der Athleten sein, erklärte der Verband USATF. Die Sportler bräuchten die Gewissheit, dass sie sich adäquat vorbereiten könnten und dass eine Teilnahme an den Spielen kein Gesundheitsrisiko darstelle, hieß es in einem am Samstag veröffentlichten Schreiben. Auch deutsche Spitzensportler sprachen sich bereits für eine Verlegung der Spiele aus.

Damit das Coronavirus nicht auch noch den Sprung in den Weltraum schafft, wurden die nächsten Besatzungsmitglieder für die Internationale Raumstation ISS, die Russen Anatoli Iwanischin und Iwan Wagner sowie der Nasa-Astronaut Christopher Cassidy in komplette Isolation gebracht, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete. Der Start ist für den 9. April vom Weltraumbahnhof Baikonur vorgesehen. Geplant ist, dass die neue Besatzung 196 Tage auf dem Außenposten der Menschheit in rund 400 Kilometern bleibt.

Quelle: ntv.de, ino/dpa


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