Äthiopiens Regierung stellt Tigray-Truppen 72-Stunden-Ultimatum

  23 November 2020    Gelesen: 140
Äthiopiens Regierung stellt Tigray-Truppen 72-Stunden-Ultimatum

Seit Wochen eskaliert der Konflikt in der äthiopischen Region Tigray. Hunderte wurden getötet, Zehntausende sind auf der Flucht. Regierungschef Abiy Ahmed hat der TPLF, die Tigray kontrolliert, nun eine Frist gesetzt.

Im Kampf um die Region Tigray im Norden Äthiopiens hat Ministerpräsident Abiy Ahmed den dortigen Rebellen ein Ultimatum gestellt. Er forderte die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) und die für sie kämpfenden Truppen in einer Erklärung auf Twitter dazu auf, sich »innerhalb von 72 Stunden friedlich zu ergeben«. Andernfalls werde das Militär mit einer Offensive auf die Regionalhauptstadt Mekelle beginnen. »Ergreifen Sie diese letzte Gelegenheit.«

Die TPLF, die Tigray beherrscht, war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Sie weigert sich bislang, sich zu beugen, und hat erklärt, dass ihre Kämpfer standhaft bleiben.

Abiys Truppen haben mit Unterstützung von Luftangriffen und Bodenkämpfen eine Reihe von Ortschaften in Tigray eingenommen. Sie rücken auf die etwa 500.000-Einwohner-Stadt Mekelle vor, von wo aus die TPLF agiert. Ein Militärsprecher kündigte an, dass die Stadt mit Panzern umzingelt werde. Er forderte die Zivilbevölkerung auf, sich in Sicherheit zu bringen. »Danach wird es keine Gnade mehr geben.« Abiy erklärte, es seien alle notwendigen Vorkehrungen getroffen worden, um sicherzustellen, dass Zivilisten nicht zu Schaden kämen.

Einem Bericht des staatsnahen Senders Fana zufolge verhaftete die Polizei fast 800 Menschen. Der Verdacht: Sie sollen im Auftrag der TPLF »Terrorattacken« in der Hauptstadt Addis Abeba geplant haben. Weder Äthiopiens Regierung noch die TPLF äußerten sich zu dem Bericht.

Der Konflikt mit der TPLF war am 4. November militärisch eskaliert. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, die Kämpfe begonnen zu haben. Hunderte, wenn nicht gar Tausende sind seitdem ums Leben gekommen. Zehntausende sind auf der Flucht, allein im benachbarten Sudan trafen inzwischen 30.000 Menschen ein. Mehrere Staaten dringen auf eine friedliche Lösung, doch der 2019 mit dem Friedensnobelpreis geehrte Abiy hält weiter an seiner Offensive fest.

spiegel


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