Deutsches Krankenhausinstitut: Corona hat die psychiatrischen Kliniken massiv gefordert

  09 Juli 2021    Gelesen: 471
    Deutsches Krankenhausinstitut:   Corona hat die psychiatrischen Kliniken massiv gefordert

Obwohl in den psychiatrischen Fachkliniken und Abteilungen keine originäre COVID-Versorgung stattgefunden hat, waren die Klinken durch die Pandemie massiv belastet und gefordert. Das zeigt das Psychiatrie-Barometer, welches jährlich vom Deutschen Krankenhausinstitut erstellt wird.

Von zusätzlichen Infektionsschutzmaßnahmen über die Errichtung von Spezialstationen für infizierte Psychiatriepatienten bis zur durch die Länder verordneten Schließung von Tageskliniken und Tagesstätten hätte die psychiatrische Versorgung komplett umorganisiert werden müssen, um so den dringenden Behandlungsbedarf und die Hilfestrukturen für die Patienten aufrechtzuerhalten. Das berichtet das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI).

In der Hochphase der Corona-Pandemie (März bis Juni 2020) habe sich die Auslastung in der vollstationären Psychiatrie (minus 23 Prozent) und Psychosomatik (minus 34 Prozent) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich verringert. Noch dramatischer seien die Einbrüche in der teilstationären Versorgung mit Rückgängen von 50 bis 60 Prozent gewesen.

Schwerpunkt Corona-Pandemie
Dies belegt das Psychiatrie-Barometer des DKI, eine jährlich durchgeführte Repräsentativbefragung psychiatrischer und psychosomatischer Einrichtungen zu aktuellen Themen in diesem Versorgungsbereich. Der Schwerpunkt des aktuellen Barometers ist die Corona-Pandemie.

Dass die Krankenhäuser elektive Behandlungen ausgesetzt, aber auch, dass Patienten aus Angst vor Infektionen die Kliniken gemieden haben, seien die Hauptgründe für den Rückgang der Auslastung gewesen. In den meisten Einrichtungen der Psychiatrie und Psychosomatik hat sich die Auslastung wieder erholt. Dennoch erwartet rund die Hälfte der Krankenhäuser, dass sich 2021 trotz erwarteten erhöhten Patientenaufkommen die wirtschaftliche Lage im Vergleich zum Vorjahr verschlechtern wird.

„Die Krankenhäuser müssen von unflexiblen Vorgaben, bürokratischen Aufwänden und drohenden finanziellen Sanktionen entlastet werden, um den wachsenden Herausforderungen nach der Corona-Pandemie gerecht werden zu können“, kommentiert der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß.

Therapieangebote wegen Corona angepasst
Trotz sehr schwieriger Rahmenbedingungen in der Pandemie sei es gelungen, eine hochwertige psychiatrische Versorgung und eine hohe Patientensicherheit zu gewährleisten. Als besondere Herausforderung hätten sich dabei Veränderungen im Patientenklientel erwiesen. So haben in 41 Prozent der Kliniken die Notfälle mit akutem und aufwändigem Behandlungsbedarf zugenommen. Auch durch die Verunsicherung und Ängste von Patienten wegen der Corona-Maßnahmen und deren Schwierigkeiten bei der Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln sei das Personal zusätzlich gefordert gewesen.

Infolge der Pandemie hätten die psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen ihre Stations- und Therapieorganisation angepasst. So wurden gruppentherapeutische Angebote reduziert oder mit verminderter Teilnehmerzahl durchgeführt. Die meisten Kliniken haben telefonische Kriseninterventionsangebote und telemedizinische Einzeltherapieangebote für die Patienten aufgenommen oder ausgebaut. Schutzmaßnahmen für Personal und Patienten wurden standardmäßig umgesetzt, beispielsweise Ausstattung mit Mund-Nasen-Schutz, Screenings, schriftliche Informationen zu Hygienemaßnahmen und umfangreiche Abstands- und Hygieneregeln. „Insbesondere müssen die ambulanten und telemedizinischen Angebote der psychiatrischen und psychosomatischen Krankenhäuser auch über die Zeit der Pandemie hinaus weiter ausgebaut werden“, forderte Gaß.
Die Ergebnisse des Psychiatrie-Barometers 2020/2021 beruhen auf einer Befragung in den psychiatrischen und psychosomatischen Fachkrankenhäusern sowie den Allgemeinkrankenhäusern mit psychiatrischen oder psychosomatischen Fachabteilungen. Die Kliniken wurden zwischen Oktober 2020 und Januar 2021 befragt. Beteiligt haben sich insgesamt 312 Einrichtungen.

snanews


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