Polen kann "absurde" Geisterwahl reparieren

  03 Juni 2020    Gelesen: 502
Polen kann "absurde" Geisterwahl reparieren

In Polen wird weiterhin ein Präsident gesucht, eine kafkaeske Geisterwahl im Mai bringt kein Ergebnis. Nun soll wohl Ende Juni entschieden werden, ob der der konservativen Regierung nahestehende Kandidat im Amt bleiben darf. Die Zeit läuft offenbar gegen ihn.

Das polnische Parlament hat den Weg zur Abhaltung der wegen der Corona-Krise verschobenen Präsidentschaftswahl in den kommenden Wochen geebnet. Das Unterhaus verabschiedete ein Gesetz, das die Regeln für die Wahl festlegt. Daneben wird die Stimmabgabe sowohl in Wahllokalen als auch per Brief möglich sein. Staatschef Andrzej Duda setzte das Gesetz kurz nach dem Parlamentsbeschluss mit seiner Unterschrift in Kraft, wie ein Präsidentensprecher mitteilte.

Der Termin für die Wahl steht noch nicht fest. Die Vorsitzende des Unterhauses, Elzbieta Witek, dürfte den Termin in den nächsten Tagen festsetzen. Nach dem Willen des Chefs der nationalkonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski, soll die Wahl am 28. Juni stattfinden. Witek gehört der PiS an.

Um die Wahl hatte es in den vergangenen Monaten einen Streit zwischen der PiS und der Opposition gegeben, den Experten als "absurd" und geradezu kafkaesk bezeichneten. Erstmals fand in Polen am 10. Mai eine "Geisterwahl" statt. Die Regierung hatte den Urnengang offiziell weder verschoben noch abgesagt. Da die Wahllokale wegen der Corona-Pandemie aber geschlossen blieben, fiel die Wahl de facto aus. Grund für das Prozedere waren unter anderem Streitigkeiten um eine verfassungskonforme Lösung für den Wahlaufschub.

Amtsinhaber Duda tritt bei der Wahl erneut an. Er steht der PiS nahe. Dudas Popularität ist laut den Umfragen zuletzt deutlich gesunken, während die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie für die Bevölkerung immer spürbarer werden. Den Befragungen zufolge muss Duda eine Niederlage gegen den liberalen Kandidaten und Warschauer Bürgermeister Rafal Trzaskowski fürchten.

Quelle: ntv.de, ter/dpa


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