Hongkonger bleiben auf der Straße

  15 September 2019    Gelesen: 270
Hongkonger bleiben auf der Straße

Die Proteste gegen die pekingtreue Führung gehen in Hongkong in eine neue Runde. Trotz eines Demonstrationsverbots sind erneut zehntausende Menschen auf der Straße. Es ist bereits das 15. Wochenende in Folge, an dem demonstriert wird.

In Hongkong gehen die Proteste trotz des Entgegenkommens der Regierung und des Verbots einer Großdemonstration weiter. Erneute gehen einige Zehntausend Regierungskritiker auf die Straße. Es kam zu Zusammenstößen, die Polizei setzte Tränengas ein. Radikale Demonstranten errichteten Straßenblockaden, beschädigten U-Bahn-Einrichtungen und warfen Brandsätze.

Es ist das 15. Wochenende in Folge, an dem in der chinesischen Sonderverwaltungsregion demonstriert wurde. Die Demonstranten forderten unter anderem eine unabhängige Untersuchung von Polizeibrutalität, Amnestie für die bereits mehr als 1000 Festgenommenen und freie Wahlen. Aus Sicherheitsgründen hatte die Polizei eine Großdemonstration untersagt, zu der die Civil Human Rights Front aufgerufen hatte. Die Gruppe hatte schon Demonstrationen mit Hunderttausenden bis zu mehr als einer Million Teilnehmern organisiert.

Außerdem forderten die Demonstranten Schutzzusagen und mehr Unterstützung von der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien. Die Aktivisten versammelten sich auch vor dem britischen Konsulat, sangen die britische Nationalhymne und schwenkten den Union Jack sowie die Flagge der ehemaligen britischen Kolonie Hongkong."God save the Queen" und "Rule, Britannia", sangen die Demonstranten und hielten Schilder hoch, auf denen sie der britischen Regierung vorwarfen, zu wenig Druck auf Peking auszuüben.

Anforderung an Großbritannien


Zahlreiche Demonstranten forderten die Gewährung einer Staatsbürgerschaft in Großbritannien oder einer Commonwealth-Nation. "Mit der vollen Staatsbürgerschaft können sie die Hongkonger wenigstens vor der chinesischen Regierung beschützen", sagte der Demonstrant Anthony Chau, der den sogenannten BNO-Pass besitzt.

Hongkonger, die vor dem oder am 1. Juli 1997 geboren wurden, können den Status "British National Overseas" (BNO) beantragen. Er erlaubt ihnen eine visafreie Einreise nach Großbritannien, kommt allerdings nicht der Staatsbürgerschaft gleich, da er keine Arbeits- oder Aufenthaltsrechte gewährt.

Am Freitag hatte sich der letzte britische Gouverneur von Hongkong, Chris Patten, dafür ausgesprochen, Hongkongern mit dem BNO-Pass ein Aufenthalts- und Arbeitsrecht in Großbritannien anzubieten. Anfang vergangener Woche unterzeichneten zudem etwa 130 britische Abgeordnete einen gemeinsamen Brief mit der Forderung, Menschen aus Hongkong eine Umsiedlung in Überseegebiete zu ermöglichen.

Seit mehr als vier Monaten wird in Hongkong gegen die dortige Regierung und den wachsenden Einfluss der kommunistischen Führung in Peking auf die Sonderverwaltungszone protestiert. Im Anschluss war es häufig zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China mit einem eigenen Grundgesetz nach dem Prinzip "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert. Die sieben Millionen Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie etwa Meinungs- und Versammlungsfreiheit.


Quelle: n-tv.de


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