Kawasaki Ninja 500 SE - Sportlichste aus neuem Mittelklasse-Trio

  16 April 2024    Gelesen: 526
  Kawasaki Ninja 500 SE - Sportlichste aus neuem Mittelklasse-Trio

Knapp 7000 Euro für ein 45-PS-Bike sind nicht wenig. Aber Kawasaki offeriert mit der Ninja 500 SE ein komplettes und auch für den Gelegenheitsfahrer bekömmliches Gesamtpaket.

Mit dem Beinamen Ninja adelt Kawasaki schon seit 1984 seine sportlichen Modelle, als die GPZ900R an den Start ging. Ihr folgten viele höchst potente Supersportmotorräder, die nur eines im Sinn hatten: schnell zu sein. Bei der jetzt vorgestellten Ninja 500 SE - das Basismodell ohne SE kommt nicht nach Deutschland - verhält sich die Sache jedoch etwas anders. Sie ist das sportlichste Mitglied eines neuen Mittelklasse-Trios, mit dem der japanische Hersteller A2-Führerscheininhaber in den Blick nimmt: Der dafür eigens entwickelte Reihenzweizylindermotor liegt mit 45 PS im erlaubten Rahmen.

Viel wichtiger dürft jedoch der vollwertige Eindruck sein, den die kleine Ninja ihren wohl gewählten Proportionen verdankt, die sie richtig erwachsenen wirken lassen. Von der Vollverkleidung im Supersportstil mit der scharfen Front, in die zwei LED-Schlitze eingelassen sind, über den Stummellenker und die filigranen Leichtmetallfelgen bis zum rassigen LED-Rücklicht verströmt die 500er Rennstreckenflair - vor allem in der Lime-Green-Lackierung, die neben einem dezenten Grau-Schwarz angeboten wird.

Mühelose Handlichkeit

Der Reihenzweizylinder der Kawasaki Ninja 500 SE leistet 45 PS.
Davon bleibt jedoch nicht mehr viel übrig, hat man auf dem gut erreichbaren Polster in 78,5 Zentimetern Höhe Platz genommen. Hinter der Sportscheibe ergibt sich bei moderat nach unten gekröpften Stummeln und nicht zu hoch angebrachten Rasten ein versammeltes, für Menschen bis 1,80 Meter sogar reisetaugliches Ambiente. Auf der rechten Seite geraten indes die Fersen nicht nur übergroßer Stiefel in Konflikt mit der Schalldämpfer-Abdeckung.

Dennoch verbleibt noch genügend Platz fürs Turnen, um mit gezielten Gewichtsverlagerungen die Kurvenfahrt noch engagierter zu gestalten. Doch auch ohne Verrenkungen des Fahrers huscht die Ninja 500 wieselflink, recht präzise und jederzeit beherrschbar um die Ecken. Der schmale 150er-Hinterreifen und leichtgewichtige 172 Kilo verleihen der Japanerin mühelose Handlichkeit, die auch weniger Versierten einen unkomplizierten Fahrgenuss spendiert, aber auch für alte Hasen ein vollwertiges Erlebnis bereithält. Die aufgezogenen Dunlop Sportmax GPR 300 bieten ein erstaunliches Haftungsniveau bis in tiefe Schräglagen hinab und rollen komfortabel ab.

Flotter Gangart nicht abgeneigt

Auch die Federelemente - vorn tastet eine nicht einstellbare 41er-Telegabel den Untergrund ab, hinten werkelt ein in der Vorspannung verstellbares Zentralfederbein - zeigen sich einer flotten Gangart nicht abgeneigt. Die grundsolide Verbindung dazwischen übernimmt ein Brückenrahmen aus Stahlrohr, mit verschiedenen Wandstärken und Rohrdurchmessern auf die zu erwartenden Belastungen ausgelegt. So lässt die Geradeauslaufstabilität bis zur Höchstgeschwindigkeit von 179 km/h nichts zu wünschen übrig, das Gleiche gilt für den Fahrkomfort auf tadellosen Untergründen.

Ändert sich der Belag in Richtung Flickenteppich, verarbeitet vor allem das Heck die Stöße nicht mehr vollständig und leitet die Störimpulse an die Besatzung weiter. Wird das Treiben zu wild, übernehmen die beiden Scheibenbremsen mit sanftem Eingriff die Verzögerung. Einsteigergerecht ohne Giftigkeit, aber hinreichend effektiv entsprechend der eingeleiteten Handkraft. Ein einstellbarer Handbremshebel wäre jedoch wünschenswert.

Start ohne Schlüssel

Bei der in Deutschland ausschließlich erhältlichen SE-Version wird der neue Reihenzweizylinder mit 451 Kubik schlüssellos per Transponderzündung gestartet. Mit seiner Maximalleistung von 45 PS bleibt er zwar unter den für den A1-Führerschein erlaubten 48 PS, für die Fahrlizenz gilt aber auch ein Limit beim Leistungsgewicht, also bei der Formel PS pro Kilo - und da schöpft die leichte Kawasaki das Maximum von 0,2 kW pro Kilo voll aus.

Für den Einsatz als 500er haben die Ingenieure den von der Ninja 400 abstammenden dohc-Twin mit längerem Hub versehen, was mehr Aufwand bedeutet als bloßes Aufbohren, und ihm mehr Schwungmasse spendiert. Das beschert im Fahrbetrieb einen erstaunlich breitbandigen Charakter mit spürbarem Schmalz schon bei niedrigen Drehzahlen und gleichförmigem, bestens dosierbarem Schub bis in obere Regionen.

Weitergehende elektronische Finessen wie verschiedene Fahrmodi oder eine Traktionskontrolle macht die sehr sauber kontrollierbare Leistungsabgabe überflüssig. Wer möchte, schnuffelt mit der Ninja im sechsten Gang durch die Ortschaft und steppt dahinter dank der extrem leichtgängigen Anti-Hopping-Kupplung flüssig durchs kurz abgestufte, aber nicht immer geschmeidige Sechsganggetriebe, das die Antriebskraft via Kette weitgehend lastwechselfrei ans Hinterrad transferiert.

Vernünftiger Treibstoffverbrauch

Zu den guten Manieren gehört auch ein verantwortungsvoller Umgang mit fossilen Brennstoffen, der sich mit 3,8 Litern auf 100 Kilometer im vernünftigen Rahmen hält - und der mit einer Tankfüllung für Etappen von weit mehr als 350 freudvollen Kilometern reicht.

Dabei wird der Konsum wie auch die verbleibende Reichweite mit allen anderen wichtigen Fahrinformationen in einem farbigen Fünf-Zoll-TFT-Instrument klar gegliedert und gut ablesbar angezeigt. Dieses lässt sich per Bluetooth mit dem Smartphone verbinden, wodurch in der installierten Kawasaki-App Rideology weitere Fahrdaten ausgelesen werden können. Eine Navigationslösung hält das Ensemble aber nicht bereit.

Trotz des Namens entspricht die neue Ninja 500 ganz offensichtlich nicht mehr dem ursprünglich kompromisslosen Ninja-Sportsgeist, der angepeilten Klientel wird das aber ziemlich gleich sein. Bekömmliche Leistungskost statt Highend-Power, dargereicht in einem verlässlichen, jederzeit beherrschbaren Paket, das mit knapp 7000 Euro noch so gerade erschwinglich bleibt.

Technische Daten und Ausstattung Kawasaki Ninja 500 SE

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Reihenzweizylinder, 451 ccm Hubraum, 33,4 kW/45 PS bei 9000 U/min, 42,6 Nm bei 6000 U/min; vier Ventile/Zylinder, dohc, Einspritzung, Sechsganggetriebe, Kette

Fahrwerk: Brückenrahmen aus Stahl; 4,1 cm Telegabel vorne, nicht einstellbar, 12 cm Federweg; Stahl-Zweiarmschwinge hinten, ein Federbein in der Vorspannung fünffach einstellbar, 13 cm Federweg; Leichtmetallgussräder; Reifen 110/70 ZR17 (vorne) und 150/60 ZR17 (hinten). 31 cm Doppelscheibenbremse vorne, 22 cm Einscheibenbremse hinten

Assistenzsysteme: ABS

Maße und Gewichte: Radstand 1,375 m, Sitzhöhe 78,5 cm, Gewicht fahrfertig 172 kg, Zuladung 180 kg; Tankinhalt 14 l

Fahrleistungen und Verbrauch (Herstellerangaben): Höchstgeschwindigkeit 179 km/h, 3,8 l/100 km

Preis: 6995 Euro

Quelle: ntv.de, Thilo Kozik, sp-x


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