Der Boox Go Color 7 ist ein prima Reisebegleiter

  08 Juli 2024    Gelesen: 484
  Der Boox Go Color 7 ist ein prima Reisebegleiter

Der Boox Go Color 7 ist eine interessante Alternative für Menschen, die einen kompakten E-Book-Reader mit Farbdisplay suchen, der gleichzeitig ein Android-Tablet ist. Er punktet mit einer guten Darstellung und einer großen Vielseitigkeit, Software und Bedienung sind allerdings gewöhnungsbedürftig.

E-Book-Reader sind vor allem im Urlaub praktisch, weil man viel Lesestoff mitnehmen kann, aber im Gepäck weniger Platz als für ein gedrucktes Buch benötigt wird. Die Geräte sind aber auch vielseitiger, vor allem, wenn sie von einem unabhängigen Hersteller kommen und aus vielen verschiedenen Quellen bestückt werden können. Noch weiter geht der knapp 280 Euro teure Boox Go Color 7, der nicht nur ein 7 Zoll großes farbiges E-Ink-Display hat, sondern gleichzeitig auch ein Android-Tablet (Android 12) ist. Man kann auf ihm also eine Vielzahl von Apps aus Googles Play Store installieren.

Handlich und leicht

Auf den ersten Blick erinnert das Gerät stark an den Amazon Kindle Oasis. Das liegt am asymmetrischen Aufbau der Front, deren rechte Seite einen breiteren Displayrand hat. So kann man den 195 Gramm leichten Go Color 7 bequem mit einer Hand halten und mit dem Daumen die beiden Tasten bedienen, die unter anderem zum Umblättern oder zur Lautstärkeregelung dienen. Linkshänder können die Darstellung drehen. Ansonsten manövriert man über den Touchscreen, der relativ flott reagiert.

Die Rückseite in rauer Kunstleder-Optik und ein matter Rahmen machen das 6,4 Millimeter dünne Tablet angenehm griffig. Die Verarbeitung wirkt einwandfrei und der Go Color 7 macht auch einen robusten Eindruck. Wasserdicht ist er allerdings nicht. Hersteller Onyx gibt lediglich an, dass das Gerät vor Spritzern und verschütteten Flüssigkeiten geschützt ist. Man kann das Gerät optional auch mit einer Magnet-Abdeckung, die rund 40 Euro kostet, vor Schaden bewahren.

Gut ausgestattet

Rechts oben im Rahmen sitzt ein USB-C-Anschluss, über den man das Gerät aufladen, aber auch Daten übertragen kann. Weil dafür der 64 Gigabyte große Flash-Speicher möglicherweise nicht ausreicht, gibt es auf der gleichen Seite auch noch einen Einschub für microSD-Karten. Kabel und Auswerfer gehören zum Lieferumfang. Außerdem findet man im Rahmen noch Öffnungen, hinter denen sich Lautsprecher und ein Mikrofon verbergen. Ins Internet geht der Go Color 7 über WLAN, Geräte werden über Bluetooth verbunden.

Das 7 Zoll große E-Ink-Display hat im Praxistest einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Es kann Schwarz-Weiß-Inhalte gestochen scharf mit einer Pixeldichte von 300 ppi darstellen, bei Farb-Inhalten sind es immer noch ausreichende 150 ppi.

Feines Display mit (zu) vielen Einstellungen

Unter seinem entspiegeltem Abdeckglas sind Inhalte auf dem Carta-1200-Bildschirm auch bei direktem Sonnenlicht problemlos ablesbar. Helligkeit und Farbtemperatur kann man manuell einstellen, eine automatische Anpassung an das Umgebungslicht gibt es leider nicht.

Die Darstellung von Text ist ausgezeichnet - wenn man die richtigen Einstellungen findet und auswählt. Das ist bei Boox-Geräten allerdings alles andere als einfach. Es gibt teilweise verwirrend viele Möglichkeiten, die manchmal sogar in verschiedenen Menüs zu finden sind. Man kann damit experimentieren, aber einfacher ist es, sich das komplette Handbuch in die Bibliothek zu laden.

Im Praxistest zeigte sich beispielsweise oft ein sogenanntes Ghosting. Das heißt, man sieht zuvor angezeigte Inhalte nach dem Umblättern wie bei zu dünnem Papier leicht "durchscheinen". Die richtigen Einstellungen zu finden, um dieses Phänomen zu minimieren, ist nicht einfach. Dazu trägt neben verschachtelten Menüs auch eine mangelhafte Übersetzung bei - etliche Unterpunkte werden nur auf Englisch angezeigt.

Feines Display

Da man verschiedene Android-Apps installieren kann, verstärkt sich die Komplexität noch. So muss man beispielsweise in der Amazon-Kindle-App zusätzlich zu den Geräte-Einstellungen in der Anwendung Änderungen vornehmen, um die Tasten zum Umblättern nutzen zu können. Praktisch ist, dass man die App-Optimierung und andere Funktionen schnell über einen Navi-Ball aufrufen kann, den man am rechten Displayrand öffnet. Dazu gehören auch ein Zugang zu Chat-GPT (Englisch/GPT-3).

Sind die Apps optimiert, hat man seine Freude an dem Boox Go Color 7. Das gilt unter anderem für Comics, die in Farbe natürlich viel mehr Spaß machen als in Schwarz-Weiß. Mit 4096 Farben kann man das E-Ink-Display zwar nicht mit einem LCD oder gar einem OLED-Bildschirm vergleichen, aber die Darstellung in blassen Pastelltönen hat ihren eigenen Reiz. Die Leistung des Geräts reicht auch aus, um Videos abzuspielen, unter anderem in der ntv-App. Man darf hier aber nicht zu viel erwarten, Filme oder Serien möchte man so nicht anschauen.

Viele unterstützte Formate und Quellen

Einschränkungen bei den E-Books und anderen Inhalten gibt es kaum, der Go Color 7 unterstützt alle gängigen Formate. Das Gerät kann auch Audiodateien abspielen. Das ist nicht nur bei Hörbüchern wichtig, man kann auch Spotify und andere Streaming-Dienste installieren oder seine eigene Musiksammlung übertragen und anhören. Für die Wiedergabe oder Vorlese-Funktion kann man die Geräte-Lautsprecher nutzen, die allerdings kein Highlight sind. Man verbindet besser Kopfhörer per Bluetooth oder USB-C-Eingang.

Hervorzuheben ist, dass Onyx einen Kindermodus anbietet, wenn man sich anmeldet. So können Eltern den Zugriff auf bestimmte Apps oder Inhalte beschränken. Registrierten Nutzern stehen außerdem 19 Gigabyte kostenloser Cloud-Speicher zur Verfügung.

Die Ausdauer ist gut, der 2300 Milliamperestunden fassende Akku hält den Go Color 7 je nach Nutzung mehrere Tage oder auch Wochen am Laufen. Möchte man noch seltener laden, aktiviert man WLAN und Bluetooth nur bei Bedarf.

Fazit

Der Boox Go Color 7 ist ein sehr handlicher und hochwertiger Farb-E-Book-Reader, der als Android-Tablet auch besonders vielseitig ist. Die Vielfalt macht ihn aber auch etwas unübersichtlich und man muss sich einarbeiten, bevor man Spaß am Gerät hat. Ist man dazu bereit, sind knapp 280 Euro ein fairer Preis für den Funktionsumfang.

Quelle: ntv.de


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