Autogramm Peugeot 508 SW Hybrid

  18 Februar 2020    Gelesen: 626
  Autogramm Peugeot 508 SW Hybrid

Peugeot bietet den Kombi 508 SW jetzt auch mit Plug-in-Hybridantrieb an. Der Wagen ist agil, angenehm still und erfüllt alle Kriterien eines sparsamen Alltagsmobils - wenn nur das Laden nicht so nerven würde.

Der erste Eindruck: Schnittig gezeichnet.

Das sagt der Hersteller: Auch bei Peugeot will man zusammenbringen, was eigentlich nicht zusammengehört. "Schnellfahren muss nicht auf dem Gewissen lasten", sagt Haico van der Luyt, Geschäftsführer von Peugeot in Deutschland. „Mit den neuen Hybrid-Antrieben für den 508 vereinen wir Fahrspaß mit Umweltbewusstsein. Limousine und Kombi bieten eine hohe Leistung bei deutlich geringeren Emissions- und Verbrauchswerten im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren.“

Das ist uns aufgefallen: Was für ein Antritt. Wenn Verbrenner und Stromer zusammenarbeiten, fühlt sich der 508 exakt so sportlich an, wie er aussieht. Allerdings ist das des Guten fast ein wenig zu viel, denn mit einer Systemleistung von 225 PS und einem vereinten Drehmoment von bis zu 360 Nm kommt der Fronttriebler an die Grenzen und scharrt bisweilen nervös mit den Pneus.

Auch deshalb fällt es leicht, das Fahrpedal ein wenig sanfter zu bedienen. Oder gleich in den reinen E-Betrieb zu schalten, denn im Stadtverkehr oder auf der Landtraße Elektromotor genügend Kraft, um den Mittelklasse-Kombi adäquat zu bewegen. Wunderbar still und gleichzeitig agil surrt der Wagen davon und kann sich mit einem rein elektrischen Spitzentempo von 135 km/h durchaus auch auf der Autobahn sehen lassen.

Das Vergnügen und mit ihm das reine Gewissen währt allerdings nicht ewig. Im WLTP-Zyklus reicht der Akku für bis zu 64 Kilometer Fahrt - verspricht Peugeot. Rechnerisch bedeutet das einen theoretischen Durchschnittsverbrauchvon 1,3 Liter je 100 Kilometer. In der Realität jedoch ist man schon froh, wenn die elektrische Energie für rund 30 Kilometer reicht. Für mehr Akku-Ausdauer sorgen höchstens zäher Verkehr, Stopp-and-Go oder ein paar rote Ampeln. Denn je öfter man bremst, desto mehr Energie gewinnt der Wagen zurück und desto weiter kommt man – selbst wenn die Rekuperation und mit ihr die Bremswirkung lange nicht so stark sind wie bei  reinen Elektroautos. Das übliche One-Pedal-Feeling, das so typisch ist für die Stromer und die mechanische Bremse bei vorausschauender Fahrweise beinahe überflüssig macht, hat der Peugeot jedenfalls nicht zu bieten.

Gut gelungen ist den Ingenieuren dagegen die Integration des zusätzlichen Antriebs. Die E-Maschine steckt in der achtstufigen Automatik und die Batterie ist so unter dem Rücksitz verbaut, dass es kaum Platzeinbußen gibt. Zumindest über dem Kofferraumboden ändert sich nichts am Ladevolumen: Es bleibt bei 530 Litern, und bei umgeklappter Rücksitzlehne passen 1780 Liter hinein.

Während der 508 SW an der Laderampe also eine gute Figur macht, sieht er an der Ladesäule nicht so gut aus: Dass es an der Haushaltssteckdose 6:30 Stunden dauert, bis der Bordcomputer für den 11,5 kWh großen Akku wieder 100 Prozent zeigt, ist schnöde Physik. Doch dass selbst am 22-kW-Schnelllader noch 2:30 Stunden fällig werden, ist schlicht ein Unding. Denn Peugeot verlangt für den Schnellader einen Aufpreis von 300 Euro. Und dann zapft der 508 SW den Strom trotzdem maximal mit 7,4 kW. 

Damit spart der Hersteller am falschen Ende und spielt den Lademuffeln in die Hände. Nachdem schon Plug-in-Modelle mit deutlich kürzeren Ladezeiten in der Kritik stehen, weil sie so selten an eine Ladedose angeschlossen werden, dürfte vielen Peugeot-Kunden die Geduld dazu erst recht fehlen.

Das muss man wissen: Den Plug-in-Antrieb kann man seit Ende Januar für Limousine und Kombi bestellen. Die Teilzeitstromer kosten 4900 Euro mehr als ein gleich starker Benziner und starten beim Stufenheck mit 44.000 und beim Kombi SW mit 45.100 Euro. Das Antriebspaket besteht aus einem 1,6 Liter großen Benziner mit 181 PS Leistung und einer 81 kW starken E-Maschine. Das ergibt eine Systemleistung von 225 PS, ermöglicht in der Theorie einen CO2-Ausstoß von bestenfalls 30 g/km und in der Praxis eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h.

Die beiden Mittelklässler starten aber nicht alleine. Zeitgleich bringt Peugeot auch den 3008 mit der vergleichbarer Technologie. Bei diesem Plug-in-Hybridmodell leistet der Benziner 200 PS, es gibt einen zweiten E-Motor mit 83 kW an der Hinterachse und damit erstmals in einem von Peugeot entwickelten SUV zumindest zeitweise auch Allradantrieb. So kommt der 3008 Hybrid4 auf eine Systemleistung von 300 PS, ein Spitzentempo von 240 km/h, einen Verbrauch von 1,5 Litern und eine elektrische WLTP-Reichweite von bestenfalls 65 Kilometern. Der Haken ist der Preis: Der startet bei 49.450 Euro und liegt damit gut 10.000 Euro über dem bislang stärksten und teuersten Variante mit 180-PS-Dieselmotor.

Das werden wir nicht vergessen: Die Gedenksekunde beim Start des 508, die fast ein bisschen an das Vorglühen der seligen Saugdiesel erinnert. Weil es einerseits eine Zeitlang dauert, bis alle Systeme hochgefahren sind, andererseits aber kein Motorsound oder Kontrollton erklingt, sondern nur ein unauffälliges Lämpchen die Fahrbereitschaft signalisiert, weiß man nie so recht, ob der Wagen schon bereit ist und wann man losfahren kann. Nach ein paar Tagen ist das wahrscheinlich Routine – doch als Novize drückt man oft noch ein zweites Mal auf den Startknopf, schaltet den Wagen so wieder aus und fühlt sich wie ein Fahrschüler, der gerade den Motor abgewürgt hat.

Hersteller:Peugeot
Typ:508 SW Hybrid
Karosserie:Kombi
Motor:Vierzylinder-Turbobenziner mit Direkteinspritzung
Hybridkomponente:E-Maschine (81 kW)
Getriebe:Achtgang-Automatik
Antrieb:Front
Hubraum:1598 ccm
Systemleistung PS:225 PS
Systemleistung kW:165 kW
Systemdrehmoment:360 Nm
Von 0 auf 100:8,1 Sek.
Höchstgeschw.:240 km/h
Verbrauch (ECE):1,3 Liter
CO-Ausstoß:33 g/km
Kofferraum:530 Liter
umgebaut:1.780 Liter
Gewicht:1.820 kg
Maße:4790 / 1859 / 1420
Preis:45.100 €

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