Donald Trump gerät unter Motorrad: Was droht Harley-Davidson nun?

  27 Juni 2018    Gelesen: 386
Donald Trump gerät unter Motorrad: Was droht Harley-Davidson nun?

Es passiert nun einmal nicht jeden Tag, dass ein US-Präsident offen droht, seine politischen Möglichkeiten einzusetzen, um ein US-Unternehmen zu vernichten, das seit Jahrzehnten als amerikanisches Kulturgut gilt.

Aber gerade das ist Anfang dieser Woche passiert: Präsident Trump kündigte an, er würde Harley-Davidson mit Steuern „erwürgen“.

Der Grund für dieses „unsportliche Verhalten“ des amerikanischen Staatschefs war, dass Harley-Davidson ihn im Handelskrieg gegen die EU „verraten“ hatte, indem das Unternehmen einräumte, dass die Erhöhung der Importzölle durch die EU (als Antwort auf Washingtons Zollerhöhungen) ihm einen „nicht wiedergutzumachenden Schaden“ zufüge. Zudem beschloss der Motorradbauer, einen Teil seiner Werke nach Europa zu verlagern.

Das ist ein klarer Beweis dafür, dass Trumps „America first!“-Politik sehr toxische Folgen haben kann. Und darüber, dass für die US-Administration die Tatsache selbst, dass eines der US-Symbole nach Europa zieht, erniedrigend ist, braucht man gar nicht erst zu reden.

Trumps Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: „Ich bin überrascht, dass gerade Harley-Davidson das erste unter allen (amerikanischen) Unternehmen wurde, das die weiße Flagge gehisst hat. Ich hatte gerade für sie so gekämpft. Schließlich müssten sie nicht die Tarife beim Absatz in der EU zahlen, die uns im Handelsbereich so schmerzen – minus 151 Milliarden Dollar! Die Steuern sind nichts als eine Ausrede – Harley, seid doch geduldig!“

Aber diesmal konnte der exzentrische Präsident per Twitter die Realität nicht verwischen, und Harley-Davidson bestätigte, einen Teil seiner Werke nach Europa zu verlegen. Das war für Trump der Anlass für seine Drohungen:

„Harley-Davidson sollte nie in einem anderen Land gebaut werden! Nie! Die Angestellten und Kunden nehmen es der Firma sehr übel. Falls das Unternehmen umzieht, dann werdet Ihr sehen, dass dies der Anfang vom Ende ist! Sie haben aufgegeben, haben sich verzogen! Ihre Aura wird verschwinden, und außerdem werden sie mit zusätzlichen Steuern belegt, wie nie zuvor!“

Es wäre interessant, ein paar Kommentare von liberalen Ökonomen zu hören, wie das „hervorragende Investitionsklima in den USA“ mit der Situation übereinstimmt, in der der Staatschef quasi verspricht, sich mit Steuern an den Geschäftskreisen zu rächen. Es ist aber durchaus möglich, dass die Anhänger des amerikanischen Investitionsklimas erst gar keine Kommentare dazu abgeben werden.

Das Problem der Trump-Strategie „America first!“ besteht darin, dass sie den Widerstand nicht berücksichtigt, den die europäischen und chinesischen Opponenten den Amerikanern leisten werden (und schon leisten). Theoretisch sollte Trumps Handels-„Blitzkrieg“ so aussehen: Die Amerikaner verhängen Importzölle für europäische und chinesische Waren, setzen dann Brüssel und Peking mit diplomatischen Mitteln unter Druck; die Europäer und Chinesen geben in allen Streitfragen auf, und am Ende wird Amerika „wieder groß“, wie der Oligarch bzw. Präsident Trump auch versprochen hatte.

Die Probleme entstanden beim Punkt „die Europäer und Chinesen geben auf“: Stattdessen entschieden sie sich für Gegenschritte.

Als Washington in der ersten „Runde“ höhere Importzölle für Stahl und Aluminium aus Europa verhängte, erhöhte Brüssel die Importzölle für Produkte einiger Unternehmen, die sich durchaus als „amerikanische Symbole“ bezeichnen lassen.  Diese Idee stammte von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der die Liste der US-Firmen zusammenstellte, für die die EU-Sanktionen besonders schmerzhaft wären. Auf diese Liste setzte er unter anderem Harley-Davidson, Levi Strauss & Co. und Bourbon Whiskey.

China entschied sich für einen anderen Weg und wird großenteils Schläge gegen Unternehmen versetzen, die für die Republikanische Partei und für Trump persönlich enorm wichtig sind. So verlieren die amerikanischen Agrarproduzenten, die massenweise für Trump gestimmt hatten, den Zugang auf den chinesischen Markt, was für viele von ihnen nichts anderes als Insolvenz bedeuten wird.

Mehr noch: Selbst solche Länder, die immer sehr loyal zu den USA eingestellt waren, entscheiden sich allmählich für antiamerikanische Maßnahmen nach dem „Spiegelprinzip“. Kanada hat schon Importzölle für US-Waren verhängt, und sogar Indien, das die US-Diplomatie für ein wichtiges Instrument im Kampf gegen die chinesische Expansion in Asien hält, entschied sich für die Teilnahme am Handelskrieg gegen Washington.

In der Tat stellte sich heraus, dass Trumps Handelskrieg dazu führt, dass Konzerne ihre Produktionsstätten nicht nur wieder in die USA verlegen, sondern auch die USA verlassen. Und es ist noch unklar, welcher der beiden Trends stärker sein wird.

Denn in den Vereinigten Staaten wurden bis zuletzt vor allem luxuriöse und teure Waren hergestellt, deren hohe Produktionskosten in Amerika keine entscheidende Rolle spielten, während billigere Waren in anderen Ländern produziert wurden, wo die Arbeitsbedingungen günstiger und die Arbeitskräfte billiger sind. Jetzt könnte eine Situation entstehen, in der die Preise für die amerikanischen Verbraucher steigen werden und Amerika zudem viele gut bezahlte Arbeitsplätze für hochqualifizierte Arbeitskräfte verlieren wird.

Als Präsidentschaftskandidat ging Trump davon aus, dass Industriebetriebe nach Amerika „zurückkehren“ würden – aber keineswegs umgekehrt. Und Harley-Davidson will die Neue Welt verlassen und hat damit das Wahlversprechen des Präsidenten quasi „überfahren“. Zudem ist das ein Beispiel für andere Unternehmen, die ihm folgen könnten. Ihre Logik wäre auch ganz klar: Der US-Markt ist zwar riesig und enorm wichtig, aber alle anderen Märkte der Welt zusammen sind noch größer und noch wichtiger. Die Amerikaner müssen etwas begreifen: Die USA sind kleiner als die ganze Welt, und zwar in jeder Hinsicht, ob in wirtschaftlicher oder kultureller. 

Und der für Washington traurigste Aspekt des von Trump ausgelösten Handelskrieges ist: Selbst wenn man ihn gewinnt, wird das ein Pyrrhussieg sein. Nehmen wir einmal an, dass Washington sein Ziel erreicht, und alle Waren, die in den USA verbraucht werden, in den USA hergestellt werden. Aber das würde bedeuten, dass Konzerne, die Produkte für die restliche Welt herstellen, ihre Betriebsstätten nach Europa, China, Russland, Japan oder Indien verlegen würden. In diesem Fall würden die USA aber nicht mehr im Zentrum des Welthandels liegen – ob aus der Sicht der Logistik, der Produktion oder der Finanzen. Und das würde bedeuten, dass die Amerikaner den Dollar als Reservewährung verlieren – und dadurch ihre Führungsrolle im Welthandel. Für die US-Wirtschaft wäre der Verlust des globalen Status katastrophal. Und das könnte man weder vermeiden noch via Twitter wieder gut machen.

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