Was hinter neuer US-Strategie auf dem Balkan steckt – Experten

  01 Dezember 2017    Gelesen: 337
Was hinter neuer US-Strategie auf dem Balkan steckt – Experten

Die US-Denkfabrik Atlantic Council hat einen Bericht vorgestellt, in dem sie eine neue US-Strategie für die Balkan-Region vorschlägt. Einer der wichtigsten Punkte der Strategie ist die Herstellung einer ständigen US-Militärpräsenz in Südosteuropa. Diese Strategie haben Experten gegenüber Sputnik kommentiert.

Obwohl Washington schon mitgeteilt hat, dass es keine neue offizielle US-Strategie ist, merken die Experten an, dass die USA einige Empfehlungen umsetzen könnten, denn der Atlantic Council genieße einen guten Ruf. Die anderen wichtigsten Punkte der Strategie sind laut dem Bericht die „historische Aussöhnung“ mit Serbien sowie die Widerherstellung der US-Reputation als ein echter Vermittler.

Der Chef des Belgrader Zentrums für strategische Alternativen, Aleksandar Mitic, betonte in einem Sputnik-Interview, der Atlantic Council sei eine Lobbyorganisation, die neue Länder in die Nato eingliedern wolle. Deswegen sei klar, warum sich die Denkfabrik jetzt mit Serbien beschäftige, obwohl die meisten serbischen Bürger gegen den Nato-Beitritt seien.

„In der Strategie gibt es grundsätzlich nichts Neues. Die Aufgabe besteht darin, ein rechtsgültiges Abkommen über gutnachbarliche Beziehungen zwischen Serbien und Kosovo zu schließen und damit Bedingungen dafür zu schaffen, dass Kosovo der Uno beitreten wird. Danach wird es unnötig, dass Belgrad Kosovos Unabhängigkeit anerkennt. Außerdem könnte all dies den Einfluss Russlands und Chinas verringern, die die beiden wichtigsten Verbündeten Serbiens im UN-Sicherheitsrat sind“, so Mitic.

Die Aussöhnung der Seiten sei in der Regel ein beiderseitiger Prozess, aber nicht in diesem Fall, sagte der wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für Slawistik der Russischen Akademie der Wissenschaften Georgij Engelgardt gegenüber Sputnik. Es wäre naiv zu denken, dass die USA bereit seien, Serbien eine Entschädigung für die Nato-Militäroperation zu zahlen, die 1999 gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien im Rahmen des Kosovokrieges durchgeführt worden war.

„In diesem Fall bedeutet ‚historische Aussöhnung‘, dass sich Belgrad mit Kosovos Unabhängigkeit versöhnen, der Nato beitreten und auf besondere Beziehungen zu Russland verzichten soll“, so der Experte.

Aleksandar Mitic beschrieb ein für Serbien annehmbares Modell „der historischen Aussöhnung“ auf diese Weise:
„Erstens müssen die USA aufhören, das serbische Territorium zu teilen, und dazu müssen sie auf ihre Unterstützung der Albaner im Kosovo verzichten. Zweitens dürfen die USA die Abschaffung der Republika Srpska (eines der beiden Teile von Bosnien und Herzegowina – Anm. d. Red.) nicht mehr fordern. Drittens dürfen die USA keine Informationen mehr verbreiten, dass nur die Serben für die Kriege der 1990er Jahre verantwortlich seien, weil alle anderen Völker ihre unschuldigen Opfer seien. Viertens müssen die USA auf Versuche verzichten, Serbien wider Willen der serbischen Bürger in die Nato aufzunehmen. Und schließlich müssen die USA die aktive Rolle Russlands und Chinas auf dem Balkan akzeptieren“, so Mitic.

Laut der vom Atlantic Council vorgeschlagenen Strategie soll sich „Camp Bondsteel“, die US-Militärbasis im Kosovo, vom Hauptquartier des KFOR-Kontingents in ein Objekt verwandeln, das eine ständige US-Militärpräsenz in Südosteuropa gewährleisten kann. Engelgardt merkte seinerseits an, der Atlantic Council schlägt Washington vor, nach einem Modell zu handeln, das die USA zuvor in den baltischen Ländern und in Bulgarien angewendet hatten.
„Die Verringerung der US-Präsenz auf dem Balkan hat seit langem begonnen, als die Operation in Afghanistan begann. Derzeit funktioniert „Camp Bondsteel“ nicht in vollem Umfang, denn die USA haben andere Prioritäten und führen mehrere Operationen weltweit durch. „Camp Bondsteel“ soll wieder zur Grundlage der US-Militärpräsenz in der Region werden. Ich glaube auch nicht, dass die USA bereit sind, neue Militärstützpunkte auf dem Balkan durchzusetzen, zum Beispiel eine neue Marinebasis in Montenegro. Das ist zu teuer, auch für die USA“, so Engelgardt.

Engelgardt ist außerdem der Ansicht, die USA wollten in die Region zurückkehren, aber auf fremde Kosten, und zwar auf Kosten Brüssels.

„Die USA werden die Prozesse beeinflussen, sie werden einen Zugang zum balkanischen Energiemarkt erhalten. Als Belohnung werden die balkanischen Länder der EU beitreten. Was der Atlantic Council vorschlägt, ist ein sehr gutes Geschäftsmodell“, so der Experte.

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