Nächste US-Firma versucht erste private Mondlandung

  12 Februar 2024    Gelesen: 341
  Nächste US-Firma versucht erste private Mondlandung

Zum Mond wollen immer mehr Länder und Unternehmen - doch eine Landung dort ist äußerst schwierig. Allein in diesem noch so jungen Jahr gibt es schon zwei gescheiterte Versuche. Nun geht das US-Unternehmen Intuitive Machines die erste kommerzielle Landung auf dem Mond an.

Der Mond ist dieser Tage ein begehrtes Ziel - aber eine erste kommerzielle Landung auf dem Erdtrabanten hat immer noch kein Unternehmen geschafft. Am Mittwoch (ab 6.57 Uhr MEZ) soll der nächste Versuch starten: Dann will das US-Unternehmen Intuitive Machines mit Sitz im texanischen Houston den Lander "Nova-C" zum Mond schicken.

Der Start am Weltraumbahnhof Cape Canaveral mithilfe einer "Falcon 9"-Rakete des Raumfahrtunternehmens SpaceX von Technologie-Milliardär Elon Musk könnte sich allerdings auch noch verzögern. Intuitive Machines hofft auf eine Mondlandung am 22. Februar. Es wäre die erste - wenn auch unbemannte - US-Mondlandung seit den Apollo-Missionen vor über 50 Jahren und die erste kommerzielle Landung auf dem Erdtrabanten in der Raumfahrtgeschichte.

An Bord: Forschungsgeräte und Kunstwerke von Koons

Der "Nova-C"-Lander mit dem Spitznamen "Odysseus" ist etwa so groß wie eine altmodische rote britische Telefonzelle, hat Aluminium-Beine, wiegt rund 700 Kilogramm und kann etwa 130 Kilogramm Ladung mitnehmen. Einen großen Teil davon hat die NASA mit Forschungsgeräten und anderem belegt, den Rest haben sich vor allem kommerzielle Unternehmen für ihre Vorhaben gesichert.

Der Künstler Jeff Koons möchte 125 in einem großen Würfel befindliche Miniaturskulpturen aus rostfreiem Stahl mitsenden. Sie seien mit Menschen verbunden, die in der Geschichte bedeutende Leistungen vollbracht haben. "Odysseus" soll in der südlichen Region des Mondes in einem Krater namens "Malapert A" landen. Nach einem möglichen erfolgreichen Aufsetzen wäre der Lander nach Angaben seiner Hersteller ungefähr sieben Tage lang funktionsfähig.

Mondlandungen scheitern häufig

Mondlandungen gelten allerdings als technisch höchst anspruchsvoll - und gehen häufig schief. Allein in diesem Jahr liefen schon zwei geplante Mondlandungen anders als erhofft: Das US-Unternehmen Astrobotic mit Sitz in Pittsburgh hatte im Januar die "Peregrine"-Kapsel losgeschickt. Schon kurz nach dem Start gab es Probleme aufgrund einer Störung des Antriebssystems. Den Ingenieuren gelang zwar zeitweise eine Stabilisierung der Kapsel, das Ziel einer Mondlandung musste aber aufgegeben werden. Wenige Tage später verglühte "Peregrine" in der Erdatmosphäre.

Kurz darauf setzte der Lander "SLIM" (Smart Lander for Investigating Moon) der japanischen Raumfahrtbehörde Jaxa zwar sanft auf dem Mond auf, hatte allerdings zunächst Probleme mit der Energieversorgung. Erst nach tagelangem Stromausfall konnte "SLIM" dann doch noch in Betrieb gehen. Damit ist Japan - nach den USA, Russland, China und Indien - das fünfte Land, das erfolgreich unbemannt auf dem Mond gelandet ist. Im April vergangenen Jahres war eine japanische Firma mit einer ähnlichen Mission gescheitert. Kurz nach der anvisierten Landezeit von "Hakuto-R" auf dem Mond hatte das Unternehmen ispace keine Daten mehr vom Lander empfangen. Die Firma geht davon aus, dass er im freien Fall auf die Mondoberfläche gestürzt ist. Als Grund gab sie eine fehlerhafte Höhenberechnung an.

NASA will auch selbst wieder zum Mond

Der nun anstehende Versuch von Intuitive Machines ist Teil des Programms "CLPS" (Commercial Lunar Payload Services) der US-Raumfahrtbehörde NASA. Mit diesem Programm will die NASA auf ihrem eigenen Weg zurück zum Mond vergleichsweise günstig und effizient so viel Wissen ansammeln wie möglich, indem sie Verträge für Mondlandungen an private Firmen vergibt und mit diesen zusammenarbeitet.

Insgesamt sind für das "CLPS"-Programm bis 2028 rund 2,6 Milliarden Dollar (etwa 2,4 Milliarden Euro) veranschlagt. Intuitive Machines bekommt für den nun geplanten Versuch rund 77 Millionen Dollar. Das Unternehmen wurde 2013 unter anderem vom US-iranischen Unternehmer Kam Ghaffarian gegründet, der auch hinter der Firma Axiom Space steckt, die gerade erst wieder mit einer kommerziellen Mission Raumfahrer zur Internationalen Raumstation schickte.

Die "Peregrine"-Kapsel von Astrobotic war ebenfalls Teil des "CLPS"-Programms. "Jeder Erfolg und jeder Rückschlag sind Möglichkeiten, zu lernen und zu wachsen", hatte NASA-Manager Joel Kearns die misslungene Landung kommentiert.

NASA-Ziel: Errichtung einer permanenten Mondbasis

Die Erfahrungen mit "CLPS" will die NASA vor allem für ihr eigenes "Artemis"-Programm nutzen, mit dem erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert wieder Menschen auf dem Mond landen sollen - darunter auch der erste nicht-weiße Mensch und die erste Frau. Das langfristige Ziel von "Artemis" ist die Errichtung einer permanenten Mondbasis als Grundlage für Missionen zum Mars.

Die eigentlich für November 2024 geplante bemannte Mondumrundung "Artemis 2" musste die NASA allerdings gerade wegen Problemen mit Rakete und Raumschiff auf September 2025 verschieben, die geplante bemannte Mondlandung "Artemis 3" auf September 2026. Konkurrenzdruck gibt es dabei von China, das bis 2030 Menschen auf den Mond bringen will.

Quelle: ntv.de, Christina Horsten, dpa


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